Bilder für eine bessere Welt

Sarah Linkes Bilder sind vielschichtig in doppeltem Sinne. Malerisch sind die Acrylbilder aus vielen ineinander verschobenen Schichten gebildet, die mit dem pastosen Farbmaterial als Flachrelief wirken und die Oberflächen der Bildgegenstände realitätssteigernd nachzeichnen. Dabei handelt es sich um Porträts, Landschaften und Naturdetails. Die Natur als reichhaltige und bewahrenswerte, gefährdete Schöpfung ist ein Anreiz, diese Inhalte zu wählen, ein anderer ist die Botschaft, die menschliche Individualität nicht zu verschütten und trotz Anfeindungen seinen individuellen Weg zu gehen oder zumindest seine Denk- und Verhaltensweise zu ändern. Dafür steht etwa die Darstellung von Chamäleons. Diese schon rein farblich faszinierenden und in ihrer Fähigkeit zu farblichem Wandel anpassungsfähigen Tiere stehen häufig für ein unauffälliges Untertauchen in der Umgebung durch Tarnung und farbliche Einfügung. Sarah Linke malt sie aber gerade unangepasst, als selbstbewusste Wesen, die sich nicht zu verstecken brauchen. Dem farblichen Reichtum der Tiere korrespondiert die weiche Unschärfe des flachen Hintergrundes, der die Fokussierung auf das Geschehen im Vordergrund ebenso betont wie die Lichtgebung. Die Landschaftsbilder etwa vom hohen Venn, durchzieht eine leicht diesige Helligkeit. Ohne durch Schlagschatten all zu markant hervorgehoben zu sein, sind die Bildelemente stark durchlichtet oder hinterleuchtet. Die Ahornblätter auf „Sunpower I und II“ heben in wohlfeiler Komposition die Binnenstruktur der Adern oder die Fältelung der Blattflächen durch Feuchtigkeitsspannungen hervor. Man tritt gerne näher an die Bilder heran und entdeckt mit Freude die Natur in ganz einfachen Details neu. Dazu zählen auch die verdorrten Baumstämme und Tümpel der Venn-Bilder, Bachverläufe und Wasserfälle oder nebelverhangene Bergmassive, in denen dennoch Neues sprießt. Eine sachlich traumverlorene Stimmung trägt die Bilder, die weder nostalgisch noch touristisch mit Naturausschnitten umgehen, sondern eher Individualitäten der Natur betonen und eine positive Grundhaltung einnehmen, die auf der Spur von Bildern für eine bessere Welt liegen und ein bisschen atemschöpfende Entschleunigung bringen. Sarah Linke lässt sich ihre Utopie nicht nehmen. Das drückt ihr Selbstporträt „I see Peace“ in selbstbewusster Verletzlichkeit aus. Mit Sensibilität, Trotz und Zuneigung nimmt sie ihr Ziel fest in den Blick. Stärke im Bewusstsein der Angreifbarkeit. Nicht die rosarote Brille hat sie auf, sondern etwas geschützt von dunklen Gläsern trägt sie Ihre Überzeugung im Blick, wie andere auf ihrem T-Shirt. „Ich bringe den Menschen die Natur zurück“, ist ihr Leitspruch. Blick, Darstellung und ahnbare Farbschichten des dünnhäutigen Gesicht betonen, dass unter der Oberfläche des Sichtbaren noch mehr schlummert, als der erste Blick offenbart. Frieden zu sehen, wo die Presse täglich hinreichend von Kriegsgräueln zu berichten weiß, ist eine gern als naiv abgetane Haltung. Natürlich ist das, was Menschen sich antun beängstigend und schwer enttäuschend. Es führt häufig zu Hass und Verbitterung, die in Rache ihr wenig zukunftsträchtiges Ventil sucht. Dennoch gibt es genauso immer auch wieder Liebe, Zuneigung und eine ausnehmend schöne Natur. Ohne dass man sich in vielleicht aussichtslosen Kämpfen aufreibt oder in Idyllen verschanzt, muss auch der Blick dafür geschärft bleiben, was man wünschenswerterweise ersehnt. Wenn der Blick auf die positive Kraft des Lebens und die schützenswerten Oasen der guten Gesinnung, Nächstenliebe und Gastfreundschaft, Sinnlichkeit oder Daseinsfreude nicht mehr von angeblich naiven Menschen geradezu gegen den Mainstream ertrotzt und bildwirksam gemacht wird, dann würden die gierigen und zerstörerischen Kräfte noch hemmungsloser über die Existenzen hinwegfegen. Auch Ausbeuter und Terroristen brauchen Mitmenschen und für die Nahrungsversorgung hegend und pflegend tätige Menschen. Es muss auch jemand die Bauklötze aufbauen, die andere unproduktiv umwerfen. In diesem Sinne geht es um die kleinen friedliche Gesten im persönlichen Leben. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Wer die Welt ändern will, sollte sich selbst ändern. Einen individuellen Anreiz dazu bieten die insofern durchaus politischen Bilder von Sarah Linke, die für Verwandlung, Einklang und Neubeginn stehen.

Dr. Dirk Tölke, Kunsthistoriker, März 2015

Flora, Fauna, Mensch: Und alles in Acryl.


Flora, Fauna, Mensch: Und alles in Acryl. Das verzahnte Zusammenwirken dieser Themen sind Sarah Linkes Leidenschaft. In ihren Arbeiten begibt sich die 1974 in Bonn geborene Autodidaktin auf eine Odyssee zu den Geheimnissen der Schöpfung. Die Malerin aus Leidenschaft richtet ihren Fokus auf die Einzigartigkeit ihrer Kreaturen. Mal werden sie plakativ, mal plastisch präsentiert. Prägend für das künstlerische Schaffen sind Sarah Linkes Hang zur Perfektion und ihre Detailversessenheit. „Ich bringe den Menschen die Natur in ihre Räume zurück", ist der Leitgedanke der Künstlerin mit deutsch-niederländischer Herkunft und einer Ausbildung als Programmiererin.

Ihre Lieblingsthemen sind Chamäleons, die ihre Farbe je nach Umgebung ändern. Damit möchte sie den Betrachter zum Dialog einladen, Denk- und Verhaltenssstrukturen gegebenenfalls aufzubrechen, um Veränderungen für ein glücklicheres Leben herbeizuführen. Golden schimmernde und von bestechender Leuchtkraft geprägte Herbstblätter empfehlen sich als Sinnbild für Erholung und Entspannung. Bei Landschaften bevorzugt die Künstlerin die Magie des Hohen Venns, deren Stille und Einsamkeit sie plastisch hervorhebt und als Beitrag zur Entschleunigung der Zeit versteht. Linke verwendet in ihren Bildern einen reliefartigen Farbauftrag und empfindet damit dreidimensional die Strukturen der Natur nach. So erscheinen Steine, Moos, Baumrinden, Äste und Blätter täuschend real.

Willi Pütz, Köln, April 2014



Die Kraft der Kunst, Sommerausgabe 2013 Topmagazin, Aachen

Change your colour III / 100x140 / Acryl auf Leinwand / 2013 / In Privatbesitz, USA

Nein, Kunst ist für sie nicht einfach eine Ausdrucksform. Kunst ist auch politische Kraft, ist Stärke, tiefer Glaube und feste Überzeugung, ist Auseinandersetzung. Eine ganz eigene Sicht auf die Dinge, die sie bewegen. Und das, was am Ende auf der Leinwand zu bestaunen ist, bewegt. Ja, Sarah Linke ist eine Künstlerin, die ihren Weg gefunden hat - ein Weg, der ein besonderer ist. In jeder Hinsicht.

 

Es war eine für sie schwierige Lebenssituation, als sie, die die künstlerische Veranlagung seit langem in sich trug, mit dem Malen begann. Eine Auseinandersetzung, die Befreiung war. Die Beschäftigung führte in andere Welten, in die Umwelt, die Natur, sie entdeckte den Weg, sich über das Mittel der Kunst auch politisch zu artikulieren. Die Schönheit der Natur lebt in ihren Bildern, aber auch das, was der Mensch durch seine bisweilen zersetzende Kraft daraus macht. Ihre politische Sicht auf die Dinge des Lebens und der Gesellschaft ist eine ganz eigene; Friede eine Forderung, die sie gestalterisch umsetzt („I see peace“) - wissend, dass es schwer ist, das Ziel zu erreichen. Aber: „Jeder kann etwas tun“, sagt sie, „und wenn alle sich erheben und im Sinne der Natur, des (Zusammen-)Lebens, der gesellschaftlichen Strukturen Veränderungen einfordern mit ihren Mitteln, dann ist auch das eine Form der sozialpolitischen Gestaltung, die bestehende Strukturen im tradierten Politikbetrieb aufzubrechen imstande sind.“

 

Die Bilder von Sarah Linke haben eine ganz eigene Formensprache, ein kraftvolles Leuchten, das mitunter die Realität überhöht. Dennoch ein präzises Abbild der Realität ihrer bevorzugten Motive: Natur, das Hohe Venn, Tiere, Porträts. Eines aber ist Markenzeichen, das alle Bilder eint: Sie sind detailversessen und von einer Struktur, die das kleinste Ästchen noch mit seinen Fasern reliefartig wiedergibt. „Bei Sarah Linke ist Borke noch Borke“, sagte ein Laudator einmal. Man könnte diese Form der Malerei auch als „plastischen Realismus“ sehen, eine Malerei, die von weitem fast wie ein Foto wirkt - und aus der Nähe immer noch eine perfekte Wiedergabe bietet. Kunst als fast plastisch greifbares Abbild - der ganz besondere, der einzigartige Reiz im Schaffen von Sarah Linke. Geht sie ans Werk, hat sie klare Vorstellungen, was sie will - was sich auch in ihrem Leben und ihren Entscheidungen wieder findet. Sie vertieft sich ganz in die Malerei, lebt ihre Vorstellungen aus, ist fast in einer anderen Welt. „Ich weiß, wie das Bild aussehen soll und kenne daher den Weg dorthin.“

Sagt sie - und verlässt sich doch auch auf ihr Bauchgefühl, ihren Instinkt. Beim Malen schaltet sie ab, versinkt in eine eigene Welt - und taucht nicht selten wie neu daraus auf. Verbunden mit einem starken Glauben, vor allem auch an sich und ihre Fähigkeit, Dinge zu gestalten und schöpferisch zu bewältigen. Nicht zuletzt daraus bezieht sie die Stärke für ihr Tun - an dem, bedingt durch den schöpferischen Prozess, am Ende kein Zweifel besteht.

Mehr und mehr werden Galeristen auf sie aufmerksam, gestaltet sie Ausstellungen in Aachen, Berlin, Belgien und den Niederlanden. Jüngst in Düsseldorf, wo in der Galerie „kunstWerk“ ein Querschnitt ihres Schaffens „eine tolle Resonanz“ nach sich zog, wie Alfred Rölleke, einer der beiden Inhaber, sagt. Und: Es bestehen aussichtsreiche Kontakte in die USA, nach Michigan, wo Paul Lucky Smith als Projektleiter das „Museum of New Art“ („Mona“) betreibt; auch der innovativ denkende, naturverbundene Freigeist in den fernen Staaten ist - das wundert nicht - auf Sarah Linke aufmerksam geworden.

Weitere Infos: www.sarahlinke.com


Wolfgang Habedank, Verleger Topmagazin Aachen


Pdf-Dokument anzeigen

application/pdf Sarah Linke.pdf (288,8 kB)

 I SEE PEACE

 

 

I See Peace“ ist ein beeindruckendes Frauenportrait. Die Künstlerin Sarah Linke versteht es, Ihre Thematik mit viel Relief herauszuarbeiten. So wie überhaupt Strukturen, Oberflächen und die darunter verborgene Vielschichtigkeit ihre Stärken sind. Die dargestellte Frau hat ein schönes, gleichmäßiges Gesicht. Auf ihrer Haut reflektieren Licht und Schatten. Auch die Haut einer jungen Frau behandelt Sarah Linke nicht schmeichlerisch mit freundlichen Rosatönen. Nein, der Künstlerin liegt daran erahnen zu lassen, was unter der glatten Oberfläche liegt. Linkes Kunst ist nicht schlicht eindimensional, sondern vielschichtig. Zusätzlich erfindet die Künstlerin immer wieder eigene Symbole, die den Betrachter auf die Spur ihrer Philosophie bringen. Hier ist‘s die überdimensionierte Brille mit den dunklen Gläsern, die eine überzeugende Metapher darstellt.

Natürlich sieht die Frau durch die dunklen Gläser keinen Frieden. Wo denn auch?

Im Vorderen Orient schießen seit 1948 Juden und Palästinenser aufeinander. Und der Iran lauert nur darauf sich einmischen zu können. Der arabische Frühling hat, sowohl in Libyen wie in Ägypten, zu schrecklichen Gemetzeln geführt und in Syrien brodelt der Bürgerkrieg weiter. In Asien beobachten die kommunistischen Cousins China und Nordkorea das kapitalistische Südkorea um auf die kleinste Provokation hin über das Land herzufallen. Nein, Peace ist, trotz aller UNO- Resolutionen, nirgendwo in Sicht. Daher die schwarze Brille. Der Blick dringt nicht durchs dunkle Glas, dorthin, wo es keinen Frieden gibt.

Das schwarze Glas reflektiert den Blick und wirft ihn durch die Retina zurück in die eigene Seele. Richtig, das muss die Botschaft sein, die die Künstlerin uns mitteilen will. Frieden ist überall und Frieden ist machbar in jedem von uns selbst. Wer in sein eigenes Inneres blickt, wird Ressourcen entdecken, die helfen können Frieden zu schaffen. Also worauf warten wir? Die Lösung liegt so nah. Horchen wir in uns hinein und tuen wir, jeder, unseren Teil um Frieden zu schaffen. So stark auf diese eine Frau bezogen, kann das Motto nur bedeuten: Frieden beginnt, ganz klein im eigenen persönlichen Umfeld. Von dort breitet er sich aus, ruhig, gleichmäßig, weltweit. Wir alle haben es also in der Hand. Wie konnte Sarah Linke mit so einfachen Mitteln, einer Leinwand, Ölfarben und Pinseln, so weitsichtig sein?  Olaf Clasen - Kunstmanager, Köln, Januar 2013

 

 

 

 

 

Dr. Adam C. Oellers, Aachener Museen

 

In ihren Bildern greift Sarah Linke klassische Themen der Malerei auf - Landschaften, Tierdarstellungen oder Menschenbilder, um durch den Gestaltungsprozeß neue malerische Techniken zu entwickeln und diese wiederum mit einer ganz persönlichen Bildaussage zu verknüpfen. Die Künstlerin trägt die Acrylfarben gerne in unterschiedlicher Stärke auf die Leinwand auf: Der Hintergrund bleibt oft flächig angelegt, während die zentralen Bildmotive in einer feinen, aufwendigen Modellierung stark plastisch hervortreten und eine reliefhafte Oberfläche erzeugen. Diese autodidaktisch erarbeitete, von den Kunstkritikern auch als „plastischer Realismus“ bezeichnete Malerei erzeugt beim Betrachter eine stark haptische Bildwirkung und steigert die sinnliche Wahrnehmung des dargestellten Bildgegenstandes. Der Oberflächenreiz mancher Bilder erzeugt verschiedentlich sogar die Illusion, dass hier mit realen Versatzstücken der Natur gearbeitet worden ist.

Die starken Wirkungen auf den Augen- und den Tastsinn will Sarah Linke aber dazu benutzen, den Menschen die Schönheit der Natur und die Bedeutung ihres Lebensraumes über die emotionale Wahrnehmung wieder nahe zu bringen. Insofern thematisiert ihr künstlerisches Credo: „Ich bringe den Menschen die Natur in ihre Räume zurück“ auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit, welche den fortschreitenden Zerstörungen unserer Umwelt und den zunehmenden Verlusten im sozialen Miteinander entgegenwirkt.

Sarah Linkes Entwicklungsweg kennzeichnet eine schrittweise Annäherung an ihre zentrale künstlerische Botschaft. Hierzu gehören von Anfang an die Landschaftsbilder, welche in ihrer stimmungsvollen Schönheit und ihrer friedlichen Atmosphäre an den Erhalt einer intakten Natur mahnen. Mag dies im leuchtenden Herbstblatt eines Ahorns, im melodischen Rauschen heimischer und alpiner Bäche oder in den jüngsten majestätischen Berglandschaften der Hochgebirge und nordischen Fjorde wiederzufinden sein – immer faszinieren neben der Ausarbeitung im Detail auch der ästhetische Blick und die tiefe Einfühlung im ausgewählten Bildmotiv.

 

Die Serie der Landschaften aus dem Hohen Venn thematisiert den ewigen Wechsel zwischen Werden und Vergehen: So wie die verbrannten und abgestorbenen Baumruinen ihre Aststümpfe und kahlen Zweige in den Himmel ausbreiten, so wächst an den Rändern und unter dem dichten vertrockneten Grasflächen dieser scheinbar apokalyptische Landschaft immer wieder hoffnungsvoll neues grünes Leben empor. „Mirror of time“ ist der Titel eines dieser Bilder: Silbergrau steht der verwitterte Baumstumpf vor blauem Himmel, herausgewachsen aus dem Hochmoor mit seinen braunen vertrockneten Grasflächen, die bald wieder austreiben werden – ein ewiger Zyklus des Vergehens und Erneuerns.

 

Auch die Tierdarstellungen offenbaren den Wunsch nach einer sinnfälligen Naturgestaltung: Während der unscheinbare Falter eins wird mit seiner Umgebung, breiten die Schmetterlinge ihre bunten, kunstvollen Flügelmuster vor einer Baumrinde, einem Zweig oder dem Dunkel des Waldes aus. Sie sind im letzten Stadium ihrer Verwandlung, haben sich aus dem dunklen Zustand des Schlafes befreit, um als Boten des Lichts aufzusteigen.

 

Die Chamäleons zeugen ebenso von der Bedeutung der Verwandlung im Tierreich. Ihre Fähigkeit, den Wechsel der Körperfarbe als Mittel zur Kommunikation einzusetzen, hat ihnen schon früh eine mythische Bedeutung beschert. Sarah Linke holt die Tiere nah an den Bildrand, lässt ihren schuppigen Panzer und ihre schillernden Farben sichtbar werden. „Change your colour“ hat sie diese Bilder genannt, weil jeder Einzelne auch symbolisch mit seiner Farbe seine Einstellung ändern kann. Und das pinkfarbene Chamäleon bekennt in dem Zusatz “into love“, dass gerade in jener Farbe, die für die Liebe eintritt, die größte Kraft der Verwandlung liegt.

 

In ihren jüngsten Arbeiten integriert Sarah Linke Worte oder ganze Texte in ihre Porträts und Landschaftsbilder. Diese Schriften verbinden sich mit den gemalten Motiven, überlagern oder ergänzen sie zu neuen, erweiterten Botschaften. Durch die optische Wahrnehmung des Bildmotivs und die eigene Deutung der Texte entsteht eine gedankliche Spannung beim Betrachter, die Anstöße zum Handeln gibt. So kann Sarah Linkes künstlerisches Grundanliegen, Impulse für eine bessere Zukunft zu setzen, in ihren Schriftbildern in doppeltem Sinne wirksam werden.


(Dezember 2012)

 

 

Myriam Kroll, Kunsthistorikerin, Ludwig Forum, Aachen

Die Arbeiten der jungen Künstlerin sind eine Entdeckung. Durch die pastosen, kräftigen Pinselstriche entstehen die Äste des Baumes nicht nur in ihrer farblichen Realität, sondern durch den massiven Farbauftrag treten sie reliefartig hervor, werden zu einem dreidimensionalen Abbild des Holzes auf der Leinwand. Es erfolgt die Mutation der Farbe zu einer ganz besonderen Landschaft in den Werken von Linke. Die Natur ist Ausgangspunkt, Motiv und Material zugleich. Die Bilder sind Reflektionen und Übertragungen der Botanik ins Bildhafte. Alle Bäume der Trilogie Hohes Venn sind verbrannte Bäume, totes Holz. Die Werke von Linke sind eine Fortführung von Caspar David Friedrichs Seelenlandschaften mit modernen Mitteln. Ähnlich wie bei Friedrich findet man auch hier metaphysische Anklänge in den Naturdarstellungen. Die Bäume werden zu Symbolen der Vergänglichkeit, zu Vanitassymbolen. Sarah Linke erschafft neue Heimatbilder voller Emotionen und ohne jeglichen Kitsch.

Auszug aus der Einführungsrede, Weihnachtsausstellung 2009, Galerie Hexagone, Aachen

 

Dr. Adam C. Oellers, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen (Ausschnitt)

Als bevorzugtes Motiv der künstlerischen Arbeit von Sarah Linke erwies sich schon immer die Landschaftsdarstellung, die vielfältige Anregungen bietet, um charakteristische Strukturen herauszuarbeiten. Da erscheint das extrem breitformatige Doppelbild der Toskana-Landschaft (2006) mit seinen ausgedehnten, rhythmischen Ackerfurchen, die von jenem farbig-leuchtenden Akzent des fernen Landhauses auf dem Hügel so stimmungsvoll berhüht werden. Dann die Pappellandschaft (2006)  eine Reihe saftig grüner Bäume vor blauer Felswand, deren zerklüftetes Gestein kühl und unwirtlich erscheint. Andere Landschaften wie der Grüne Wasserfall oder die Lichtspiele, eine Wiesenlandschaft von 2007 erstrahlen in sattem Grün und voll vegetativer Energie. Eine große neue Entdeckung war für Sarah Linke das Kennenlernen der Landschaft des Hohen Venns. In dieser weiten Hochebene zwischen Eifel und Ardennen, die nach ihren eigenen Worten durch oft mystisch anmutende Bäume charakterisiert ist und einen kargen, fast apokalyptischen Eindruck hinterlässt, weitet sich das Bildthema Landschaft über die beschreibende Darstellung hinaus zu einer symbolhaften Gestaltung aus. In diesen uralten, von der Zivilisation kaum beeinflussten Hochmooren werden elementare Lebensprozesse unmittelbar erfahrbar; die Anschauung von Weite und Ferne scheint den Blick in eine Art Weltlandschaft zu eröffnen. Abgestorbene Baumstümpfe, die aus den dichten, fahl-gelben und vertrockneten Grasbüscheln hervortreten, kontrastieren mit neuem Wachstum sichtbar etwa an den grünen Wasserlöchern und an den fernen Waldrändern. Sarah Linke hat diese toten Bäume nah an den Betrachter herangeholt, so als müssten sie ihm einen Spiegel der Zeit vorhalten. In stark plastischem, reliefhaftem Farbauftrag wölben sich diese krustigen und schrundigen Tannenbaumstümpfe nach vorn, verbreiten sich die dürren, schwarzen Äste netz- oder spinnenbeinartig über den weiß-blauen Wolkenhimmel. Das Schwarz der Borken, das Grau des ausgebleichten Holzes und die weißlichen Schimmelspuren bilden den vorherrschenden Farbton, doch an einzelnen Stellen der Baumstämme blitzen wie ein irisierendes Lebenszeichen Spuren einer leuchtenden Farbigkeit auf. Sie erscheinen wie eine Antwort auf die am Horizont schemenartig emporwachsenden Laub- und Nadelbäume, denen dereinst vielleicht ein Ähnliches Schicksal widerfahren wird. Sarah Linke hat ihren Baummotiven auf eigenen Wanderungen im Venn fotografisch intensiv nachgespührt und hat ihr besonders malerisch erscheinende Sujets festgehalten. So entstand eine große Variation von Venn-Bildern: Bäume mit stark fallenden Ästen, ein zweigeteilter Baum., Ansichten von abgebrochenen Baumspitzen oder markante Detailausschnitte. Auch die Positionierung im Bild spielt eine wichtige Rolle, die Bäume können zentriert sein, am Rand stehen oder zwischen seitlich hereinragenden Astspitzen den freien Blick in die Tiefe gewähren. Da es in den Venn-Bildern aber kaum um eine romantische Verklärung einer herben, zunehmend in ihrer Urwüchsigkeit erkannten Landschaft geht, sondern dass hier auch eine persönliche Botschaft impliziert ist, zeigt sehr deutlich das Gemälde mit dem Titel: our future is golden (2010). Dieser Satz ist in groben, verdickten Lettern in den goldgelben Grasgrund des Bildes eingeschrieben und bezieht sich sicherlich auf einen visionären Blick in die Zukunft, in der die Harmonie und die Verbundenheit des Menschen mit der Natur ein oberstes Ziel ist.


Aachener Nachrichten, 20.11.2010

Besonders das Hohe Venn hat es ihr angetan der jungen Malerin Sarah Linke, die derzeit im Art Hotel Aachen Superior ausstellt. Einen ganzen Raum füllt sie mit Ansichten von Bäumen, die in ihrer Schwärze in den blauen Himmel ragen, einsam auf den weiten Flächen der Moorlandschaft. Doch die Bäume sind tot, und die Zweige, aus denen ihr dürres Astwerk gemacht ist, gemahnen an die Vergänglichkeit aller Natur. Frühlingsbote nennt sich das Werk, das die Eingangshalle des Hotels ziert, ein rostrot-weißer Schmetterling, pastos gemalt auf grünem Grund. Chamäleons von Sarah Linke faszinieren nicht nur in ihrer Wandlungsfähigkeit der Farben zwischen Grün und Pink (Chance your colour into love), sondern auch in ihrer nahezu mosaikartigen Optik, einem plastischen Realismus. Die Natur in die Räume der Menschen zurückzubringen ist das Anliegen der Autodidaktin, die damit  Ruhe, innere Ausgeglichenheit und Verbundenheit mit der Natur vermitteln will.

Ingrid Peinhardt-Franke (Galerien in Aachen, Aachener Nachrichten, 20.11.2010)


Dr. Gunter Heim, Mathe-Werkstatt Aachen, August 2011

Liebe Sarah, ich besuchte gestern die Ausstellung Deiner Bilder in der Sparda-Bank. Da Du an meinem Eindruck interessiert warst, möchte ich Dir kurz ein paar Zeilen dazu schreiben. Viele Deiner Bilder sprechen mich sehr an. Es ist der quasi-Leuchteffekt, der mich an ihnen fasziniert, ein schwaches oder starkes eigenes Leuchten aus einem Objekt oder aus einem nebeligen Hintergrund selbst heraus. Hier ein paar Beispiele: Beim "Bananenfalter" tritt der Effekt in leichter Form mit den grünen Farben am rechten Rohr auf. Als leicht empfinde ich den Effekt, weil das Leuchten auf der Oberfläche sitzt. Bei mir wird er stärker, wenn das Leuchten von innen oder aus einer unbestimmten Ferne kommt (etwa im Nebel). Der "Bach" - mein Favorit unter Deinen Bildern - zeigt den Effekt unten rechts an den streifenförmigen gelben Lanzettblättchen. Der Effekt wird durch den dunklen Hintergrund verstärkt. Der "Amerikanische Schlangenhalsvogel" ist mein zweiter Favorit. Klasse, wie hier die dunklen Farben des Vogels und des Geäst auf dem er sitzt, eine eigene Strahlkraft besitzen. Die "Pappellandschaft" wirkt auf mich mit ihren bunten Kontrasten ähnlich wie manche Bilder von Van Gogh. Die dunkle Gebirgswand und das leuchtende Grün im Vordergrund zeugen von einer Lebendigkeit der Dinge aus sich selbst heraus. Das ist wieder der Effekt, den ich ständig suche. Das ist die Verbindung zu meiner Lebenshaltung: Ich suche das im Menschen, was aus sich selbst heraus denkt, wirkt und fühlt. Es ist die Stimme, die sich Kinslow zufolge im stillen Raum zwischen den Gedanken hörbar macht. Im Kopf ist es die Stimme, in Deinen Bilder ist es das Leuchten. Beides fühlt sich für mich wie aus dem gleichen Ursprung an. Du schreibst auf Deiner Hompepage über den täglichen Konkurrenzkampf, die ständige Profitmaximierung und die mediale Dauerberieselung und dass Du Deine Bilder als eine Art Gegenkraft dazu auffassen willst: "Ich betrachte meine Malerei als ein Tor zu inneren Welten..." Genau diese Wirkung erreichen die Bilder bei mir. Kennst Du eigentlich die zwei Büchlein "Die Pforten der Wahrnehmung" und "Himmel und Hölle" von Aldous Huxley (Schöne Neue Welt)? Huxley beschreibt darin mystische und religiöse Gefühlszustände. Er geht davon aus, dass unser Bewusstsein potenziell mehr wahrnehmen kann als die Alltagsrealität. Nach Huxley sind es vor allem Farb- und Lichteffekte, die als Pforte zu einer anderen Wahrnehmung und zu inneren Welten dienen können. Du schreibst ja auf Deiner Webseite, dass Du Deine Malerei als ein Tor zu inneren Welten betrachtest. Vielleicht wären die Büchlein für Dich interessant zu lesen? Ich hoffe auf jeden Fall, dass Du noch einige Bilder in diesem Stil malen wirst und freue mich auf die nächste Ausstellung in Aachen!


Die Vision, Text von Liane und Sarah Linke:

Die Vision, die mich beim Malen meiner Bilder leitet, ist die Vorstellung von einem glücklichen, im inneren Einklang mit sich und seiner Umwelt lebenden Menschen.
Ein Mensch, der auf sein Gefühl achtet, seiner Intuition vertraut und auf seine innere Stimme hört. Das Leben als die Realisation seiner höchsten Vision von sich selbst zu leben, ist das höchste Lebensziel, das man erreichen kann. Es beginnt mit einer Selbstanalyse:
Wo stehe ich im Leben? Bin ich zufrieden? Neide ich Anderen etwas und behandele ich sie darum vielleicht ungerecht? Welche sind meine Stärken? Sind „meine Ziele“ nicht vielmehr das, was die Gesellschaft, mein familiäres Umfeld von mir erwartet? Deshalb: Was interessiert mich wirklich?
Eine wahrhaftige Selbstanalyse kann aber oft erst dann beginnen, wenn wir innerlich zur Ruhe kommen. Aus diesem Grund ist die zentrale Frage, die mich bei der Auswahl geeigneter Motive beschäftigt, ob sie Ruhe, innere Ausgeglichenheit und/oder Verbundenheit zur Natur vermitteln.

In der heutigen Zeit gibt es genügend Möglichkeiten, sich von sich selbst und von gesellschaftlichen Fragen abzulenken, bis die innere Stimme, die leise, immer leiser werdend andeutet, dass da etwas nicht in Ordnung ist, vollends ausgeschaltet wird. Der Großteil unserer Gedanken dreht sich täglich um Aussehen, den gesellschaftlichen Status, Spaß und um die verschiedensten Prestigeobjekte. Aber was davon hat wirklich etwas mit mir zu tun? Was brauche ich zum Leben, was nicht?


 

Die Angst, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, nicht anerkannt zu werden mit dem was man denkt, fühlt und tut, gründet tief. Ihretwegen passen wir uns immer mehr an – mitunter bis zur Pervertierung unseres Selbst. Bis zum Face-Lifting einer 30-Jährigen, die ihre Falten, ihr Lachen und ihr Leben, vertuschen will, um einem fragwürdigen und unnatürlichen Schönheitsideal zu entsprechen. Wenn alle wieder zu sich selbst finden, muss keiner Angst haben, aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Dann ist es völlig natürlich, die Gefühle und Gedanken Anderer mit ins tägliche Leben einzubeziehen – der Kollege, der vielleicht überfordert ist, die Nachbarin, die laute Musik hört, der Betrunkene, der seine Sorgen nicht mehr ertragen kann...
Wozu schimpfen, auf den Menschen herabsehen, ihn spüren lassen, dass er "weniger wert“ ist?
Das ändert nichts an der Situation des Anderen, macht sie nur noch unerträglicher!

Nur wer sich als aktiven Bestandteil dieser Gesellschaft wahrnimmt und sich nicht in der Masse versteckt, nur wer bereit ist, für seine Visionen etwas einzubringen, sich für Andere einzusetzen, kann auch etwas bewegen, nur der kann zum positiven Wandel unserer Gesellschaft beitragen. Sich nicht als vom Mitmenschen getrennt wahrzunehmen, die innere Einheit aller Menschen in Erinnerung zu rufen und in der Gesellschaft nicht das Gegeneinander, sondern Tendenzen zum Miteinander zu fördern, ist der Ausgangspunkt meines privaten und gesellschaftlichen Engagements.
Was man weggibt, kommt, um ein Vielfaches vermehrt, wieder zurück.

Dem Prinzip der Ellbogengesellschaft begegne ich mit dem Angebot, loszulassen, sich fallen zu lassen, Geborgenheit zuzulassen. Anstelle der multimedialen Dauerberieselung eröffnen meine Bilder die Möglichkeit zum Dialog mit sich selbst:
Ich sehe Menschen, die im Einklang mit der Natur leben, die den Augenblick genießen, die Lust am Leben haben, ohne Anderen zu schaden oder Anderen die Teilhabe an diesem Glück zu versagen. Menschen, die sich nicht von den tausend Unzufriedenheiten, ausgelöst durch den Konsumwahnsinn der Medien, den Blick in ihr Inneres verstellen lassen. Menschen, die nicht nach dem fremden Ideal aus der Werbung leben, sondern ihre höchste Vision von sich selbst leben. Diese Menschen portraitiere ich überwiegend in meinen Bildern, dieses Menschenbild versuche ich in meine Kunst zu projizieren.

Überwiegend male ich jedoch Naturlandschaften. Wenn man beobachtet, wie wir mit der Natur umgehen, könnte man meinen, wir bräuchten sie nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Je weiter wir uns der Natur entfernen, desto mehr verlieren wir unsere Gesundheit, unseren natürlichen Rhythmus, unseren wichtigsten Zufluchtsort. Deshalb wähle ich Naturmotive in überwältigender Schönheit, die hoffentlich unsere Ehrfurcht und Respekt für natürliche Lebensräume wieder wachsen lassen.
Einem inneren Drang folgend, bin ich hierbei mehr und mehr dazu übergegangen, die Farben mit Strukturpasten zu verdicken und mitunter zentimeterdick aufzutragen. Meine Bilder „springen den Betrachter förmlich an“, lassen ihn die Natur wieder wahrnehmen. So entsteht eine Interaktion zwischen Bild und Betrachter; er darf meine Bilder auch anfassen, wenn er sich nicht sicher ist, ob die Äste „echt“ oder „gemalt“ sind.

Grundlegend geht es mir nicht darum, ein „perfektes“ oder esoterisches Leben nach starren Prinzipien, ohne Kompromisse und Zugeständnisse an die Menschlichkeit, zu gestalten. Meine eigene Biographie mit ihren Höhen und Tiefen hat mich gelehrt, dass es niemals gut geht, wenn man versucht, Anderen die eigene Lebenshaltung aufzuzwingen oder sie mit Erwartungen und Ansprüchen zu überfrachten. Vielmehr gilt es, den Anderen auch in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren, die Vielfalt anzunehmen anstatt sie permanent zu verurteilen.

Freunde fragen mich oft: „Was kann der Einzelne denn schon in der Welt verändern?“ Und: „Wieso tust du das alles eigentlich?“ – Ich bin davon überzeugt, dass man auch im Kleinen viel bewegen kann. Kaufen Sie bewusst ein, anstatt unterschwellig erlernten Handlungsschablonen aus der Werbung Folge zu leisten. Regionale Produkte oder Biowaren tragen zu einer gesunden Lebensweise bei und ihr Kauf bestärkt diejenigen Produzenten, die auch in Zeiten einer ausschließlich auf Profitmaximierung fixierten Industrie- und Handelswelt im Einklang mit der Umwelt und mit Rücksicht auf die Nutztiere und Böden zu produzieren versuchen. Auch wer nicht viel Geld zur Verfügung hat, kann sich Bio-Produkte leisten, wenn umsichtig eingekauft wird (z.B. saisonale Ware, Verzicht auf Ware, die durch penetrante Bewerbung künstlich im Wert gesteigert werden soll).
Bewusstes Leben, ein mit allen Sinnen wahrgenommener Spaziergang durch den Wald, ist bereits eine Form von Meditation. Es lohnt sich, im menschlichen Miteinander grundsätzlich einen Vertrauensvorschuss zu geben, anstatt distanziert oder abschlägig zu reagieren. Wenn ich nicht an die Gemeinschaft, das ursprüngliche Einssein der Menschen und an die Fähigkeit jedes Einzelnen, etwas zu bewegen, glauben würde, hätte ich mich nicht auf den langen, aber wunderbaren Weg einer autodidaktisch und intuitiv arbeitenden Künstlerin gemacht. Ich glaube jeden Tag fester daran, dass wir GEMEINSAM eine bessere Zukunft gestalten werden.